KI-Anwendungsfälle auf eine gemeinsame Agentenarchitektur bringen
Die Aufgabe
Zwei beschlossene Anwendungsfälle, zwei Projekte, zwei Beschaffungen. Und in drei Jahren zwei Systeme, die nichts voneinander wissen.
ist die Zielarchitektur: Regelwerke-Agent und Voicebot setzen auf einer zentralen Agentenplattform auf statt auf zwei getrennten Lösungen
Kontakteingänge eines Jahres über acht Kanäle ausgewertet, rund ein Viertel davon telefonisch
Anwendungsfälle bis auf Systeme, Datenquellen, und Schnittstellen durchgearbeitet
Kurz zum Kunden
Der städtische Wohnungs- und Immobilienkonzern einer deutschen Großstadt mit einem Bestand im mittleren fünfstelligen Bereich und mehreren hundert Mitarbeitenden. Die Mieterkommunikation läuft über acht Kanäle nebeneinander — Telefon, E-Mail, Kontaktformular, Posteingang, Mieterapp, Servicecenter und weitere. Das Telefon ist davon der wichtigste und zugleich der teuerste.
Unsere Lösung
Zwei Anwendungsfälle, ein Kern. Die Entscheidung darüber fällt vor der Beschaffung oder gar nicht mehr.
Die Aufgabe
Die Geschäftsleitung eines städtischen Wohnungskonzerns hat sechs Business Cases priorisiert, und zwei davon stehen vorn. Der erste ist ein Agent, der Mitarbeitenden Richtlinien und Arbeitsanweisungen im Chat zugänglich macht, der zweite ein Voicebot, der Mieteranrufe entgegennimmt, klassifiziert und weiterleitet. Der naheliegende Weg wäre gewesen, beide getrennt auszuschreiben. Genau das ist die Frage, die zu klären ist: Sind das zwei Projekte oder zwei Anwendungen desselben Systems? Dahinter liegt eine Reihe von Punkten, die kein Anbieterangebot beantwortet — wo die Richtliniendokumente heute liegen und wem sie gehören, welche Zugriffsrechte gelten, wie das Anrufrouting heute tatsächlich läuft, welche Systeme in der Anliegenbearbeitung beteiligt sind, und unter welchen Bedingungen für Hosting, Datenschutz und Compliance das Ganze überhaupt betrieben werden darf.
Unser Ansatz
Die wichtigste Entscheidung des Tages war eine Verneinung. Zwei priorisierte Anwendungsfälle führen fast zwangsläufig zu zwei Projekten, zwei Beschaffungen und zwei Systemen — und ein paar Jahre später zu der Frage, warum das Wissen im einen System für das andere unsichtbar ist. Der Regelwerke-Agent und der Voicebot brauchen dieselben Dinge: Zugriff auf geprüfte Dokumente, ein Rechtekonzept, eine Modellanbindung, eine Protokollierung. Was sie unterscheidet, ist die Oberfläche. Daraus folgt eine Plattform mit zwei Agenten, nicht zwei Lösungen mit einer Schnittmenge.
Die Reihenfolge im Workshop war Plattform, Anwendungsfall, Zusammenführung. Erst die Anforderungen an den Kern und die Rahmenbedingungen, unter denen er betrieben werden darf. Dann je Anwendungsfall der Fachbereich, der weiß, wo die Dokumente liegen und wie ein Anruf heute wandert. Am Schluss die Konsolidierung. Umgekehrt herum — erst die Anwendungsfälle, dann die Plattform — entsteht eine Architektur, die zwei Sonderfälle nachträglich unter einen Hut bringen muss.
Zu jedem Anwendungsfall gehört der Fachbereich, aber nur zu seinem Block. Die IT und die Unternehmensentwicklung waren den ganzen Tag dabei, die Fachleute für Regelwerke und für den Service jeweils nur in ihrem Zeitfenster. Das ist keine Höflichkeit gegenüber vollen Kalendern, sondern eine Bedingung dafür, dass diese Menschen überhaupt kommen. Ein Architekturworkshop, zu dem alle den ganzen Tag erscheinen sollen, findet entweder nicht statt oder ohne die, auf die es ankommt.
Die härteste Frage im Regelwerke-Block war nicht technisch. Sie lautete: Kann ein KI-System das bestehende Problem allein lösen? Wenn Richtlinien widersprüchlich, veraltet oder in mehreren Fassungen abgelegt sind, dann beantwortet ein Agent Fragen zuverlässig falsch. Deshalb standen Datenqualität, Aktualität, Versionierung und Eigentümerschaft der Dokumente im selben Block wie die Retrieval-Logik — und daraus wurde ein eigener, vorgelagerter Arbeitsstrang statt einer Fußnote im Umsetzungsplan.
Der Voicebot rechnet sich an einer Zahl, die der Konzern selbst hat. Die interne Auswertung der Kontakteingänge zeigt rund 100.000 Vorgänge im Jahr über acht Kanäle, rund ein Viertel davon telefonisch. Das ist die Grundlage, auf der sich über Automatisierungsgrade reden lässt, ohne zu raten: Welche Anliegen kommen häufig, welche sind standardisiert, wo entstehen Fehlleitungen. Ein Anbietervergleich ohne diese Zahlen vergleicht Funktionslisten.
Am Ende steht ein Zuschnitt, kein Wunschzettel. Ein Proof of Concept braucht eine Grenze und ein Kriterium, an dem sich nach ein paar Wochen entscheiden lässt, ob weitergemacht wird. Beides ist im Workshop festgelegt worden, zusammen mit einer Roadmap, die schnelle Schritte von mittelfristigen trennt. Der erste dieser Schritte ist inzwischen beauftragt.
Das Ergebnis
Eine Zielarchitektur, die beide Anwendungsfälle auf denselben Kern stellt.
Dieser Kern ist eine zentrale Chat- und Agentenplattform mit erweiterbarer Agentenarchitektur, auf der der Regelwerke-Agent und der Voicebot als erste zwei Agenten aufsetzen und um weitere ergänzt werden können. Erarbeitet an einem Tag vor Ort, in der Reihenfolge, die die Sache verlangt: erst die Anforderungen an die Plattform und die Rahmenbedingungen für Hosting, Datenschutz und Compliance, dann je Anwendungsfall die betroffenen Systeme, Datenquellen, Ablageorte, und Schnittstellen, und erst am Schluss die Zusammenführung.
Für den Regelwerke-Agenten sind Dokumenttypen, Metadaten und Zugriffskonzepte geklärt, für den Voicebot der Ist-Prozess des Anrufroutings mitsamt Eskalationsstufen und die Anbindung an Ticketsystem und Fachverfahren. Ausgewertet worden sind dafür rund 100.000 Kontakteingänge eines Jahres über acht Kanäle, von denen rund ein Viertel telefonisch eingeht. Am Ende stehen der Zuschnitt eines Proof of Concept mit Erfolgskriterien und eine priorisierte Roadmap, die zwischen schnellen Schritten und mittelfristigen unterscheidet.
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