Den Zeitverbrauch im Vertrieb vor dem KI-Einsatz messen
Die Aufgabe
Der Fachkräftemangel bremst das Wachstum, und KI steht als Antwort im Raum. Wo im Vertrieb die Zeit tatsächlich hingeht, ist nicht erhoben.
der Vertriebszeit gehen in vertriebsferne Tätigkeiten, gemessen über die Rückmeldungen der Mitarbeiter
Stunden Tätigkeitsrückmeldung aus zehn Arbeitsplätzen über rund vierzehn Tage, ausgewertet nach Kategorien
Anwendungsfälle am Ende, jeder mit eigener Begründung aus Erhebung, Interviews und Prozess-Workshop
Kurz zum Kunden
Unabhängiges Familienunternehmen der Elektrotechnik, seit über sechzig Jahren am Markt. Es entwickelt Schaltanlagen und Systeme, die Industrieanlagen versorgen, steuern und schützen, für Industrie, Anlagenbau und Energieversorger weltweit; neben den deutschen Standorten arbeitet es mit Vertriebsbüros und Kooperationspartnern in Europa, im Nahen Osten und in China. Das Geschäft ist Projektgeschäft: Jede Anfrage bringt umfangreiche Spezifikationen mit, jedes Angebot ist eine technische Einzelentscheidung. Als Wachstumshemmnis Nummer eins in Deutschland hat das Unternehmen den Fachkräftemangel benannt.
Unsere Lösung
Eine Liste möglicher KI-Anwendungen ist schnell erstellt. Erst die gemessene Zeit sagt, welche davon sich lohnt.
Die Aufgabe
Das Unternehmen will wachsen, ohne die Mitarbeiterzahl im gleichen Maß zu erhöhen, und hat den Fachkräftemangel als sein erstes Wachstumshemmnis benannt. Künstliche Intelligenz steht als Antwort im Raum. Was fehlt, ist die Grundlage für eine Entscheidung: Wo im Vertrieb und im Vertragsmanagement die Zeit tatsächlich hingeht, ist nicht erhoben, und ob die Ursachen technischer oder organisatorischer Natur sind, ist offen. Der Auftrag beginnt deshalb mit einem Workshop im Haus, der einen gemeinsamen Wissensstand über Möglichkeiten und Grenzen von KI herstellen und erste Anwendungsfälle aus den Funktionsbereichen sammeln soll. Der zweite Auftrag folgte im November: eine Potenzialanalyse in Vertrieb und Vertragsmanagement, sieben Beratertage, mit vier Präsenztagen im Dezember.
Unser Ansatz
Zuerst messen, dann über Technologie reden. Zehn Mitarbeiter haben über zwei Wochen zurückgemeldet, womit sie ihre Zeit verbringen. Das ergab 961 Stunden in Kategorien, und daraus die Zahl, um die es geht: Über dreiundzwanzig Prozent der Vertriebszeit sind vertriebsfern. Ohne diese Erhebung wäre das Gespräch bei Werkzeugen geblieben, denn Werkzeuge kann man vorführen und Zeitverluste nicht. Mit ihr steht am Anfang eine Zahl, gegen die sich jede spätere Maßnahme rechnen lässt.
Lean und KI in einer Analyse, weil die Ursachen gemischt sind. Ein Teil der Verluste ist Organisation: wiederkehrende interne Klärungen, unklare Aufgaben und Befugnisse, vier verschiedene Nummernkreise für denselben Vorgang, schlecht auffindbare Dokumente. Ein anderer Teil ist Technologie: Systeme, die nicht miteinander sprechen, Kalkulationen in Tabellen, hoher Aufwand für Daten- und Preispflege. Wer nur die KI-Seite prüft, kauft Werkzeuge für Probleme, die Organisation heißen. Genau dieser Gedanke kam auch aus den Interviews im Haus: erst die eigene Basis ordnen, dann Schritte überspringen.
Zwei Reifegrade, zwei Fragebögen, ein Vergleichsmaßstab. Der Lean-Reifegrad lief über einen standardisierten Fragebogen mit zweiundachtzig offenen und geschlossenen Fragen über sieben Handlungsfelder, von Vertriebsstrategie und Vertriebsprozess über Führung und Kundenbeziehungsmanagement bis zur Qualifizierung. Der KI-Reifegrad lief über einen zweiten Fragebogen und sieben Bereiche. Beide wurden gegen einen Benchmark gestellt. Der Zweck einer Reifegradbewertung ist nicht die Note. Er ist die Reihenfolge: Sie zeigt, welches Feld zuerst in Ordnung gebracht werden muss, damit das nächste überhaupt gelingen kann.
Die Stellhebelabfrage holt die dazu, die nicht im Raum saßen. Fünfzehn Mitarbeitende und Führungskräfte haben jedes Handlungsfeld auf einer Skala bewertet, und zwar zweifach: nach Effizienzpotenzial und nach Umsetzungswahrscheinlichkeit. Die zweite Achse ist die entscheidende. Ein Feld mit hohem Potenzial und niedriger Umsetzungswahrscheinlichkeit ist kein Startpunkt, sondern eine spätere Aufgabe. Wer beides in einer Note zusammenzieht, startet regelmäßig mit dem Thema, das am längsten dauert.
Am Ende drei Anwendungsfälle, und jeder trägt eine eigene Begründung. Der Abgleich zweier Dokumentversionen bindet rund zehn Prozent der Kapazität im Vertragsmanagement, das ist die Zahl, die diesen Fall begründet. Bei der Auswertung von Anfragedokumenten geht es um Dutzende Dateien je Anfrage, von denen nur wenige Seiten für die Bid- oder No-bid-Entscheidung zählen, und um die Zeit, sie zu finden. Allgemeine KI-Werkzeuge für Texte und Übersetzungen bringen dagegen sofort spürbare Erleichterung, brauchen aber Leitplanken. Aus dem ersten dieser Fälle wurde das Umsetzungsprojekt, aus dem dritten der Auftrag für Leitlinien und Governance.
Das Ergebnis
Eine Analyse, die messbar macht, was vorher Eindruck war.
Eine Funktionsanalyse über rund vierzehn Tage, an der zehn Mitarbeiter ihre Tätigkeiten zurückmeldeten: 961 Stunden, aufgeteilt nach Angebotsmanagement, Kundenkontakt, Kundenmanagement, Management und Support, Reisebuchungen und Sonstigem. Ergebnis: Über dreiundzwanzig Prozent der Zeit gehen in vertriebsferne Tätigkeiten, und die vertriebsnahen sind von Rücksprachen geprägt. Dazu eine Stellhebelabfrage bei fünfzehn Mitarbeitenden und Führungskräften, getrennt nach Effizienzpotenzial und Umsetzungswahrscheinlichkeit; ein Lean-Reifegrad über vier à zwei Stunden mit einem standardisierten Fragebogen über sieben Handlungsfelder, verglichen mit einem Benchmark aus dem Maschinenbau; ein KI-Reifegrad über sieben Bereiche von Personal und Daten bis Ethik und Regulierung; die Aufnahme der Systemlandschaft; und ein Prozess-Workshop mit Außendienst, Vertrieb, Vertriebsassistenz und Vertragsmanagement entlang einer Produktgruppe.
Am Ende zehn Kernaussagen und drei Anwendungsfälle: die Extraktion der entscheidungsrelevanten Angaben aus Anfragedokumenten, der Abgleich zweier Dokumentversionen, der rund zehn Prozent der Kapazität im Vertragsmanagement bindet, und allgemeine KI-Werkzeuge für den Arbeitsalltag im Vertrieb.
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