Datensätze in einem Datenraum auffindbar machen
Die Aufgabe
Ein Datensatz, der nicht beschrieben ist, existiert für einen Datenraum nicht. Ohne Katalog gibt es Daten, aber keinen Markt.
Meilensteine, alle termingerecht erreicht — Konzeption, Implementierung, Evaluation und Integration in das Gesamtsystem, im vereinbarten Budget
eigenständig betriebene Bausteine, von der Fachlogik über Metadatenbank und Verwaltungsoberfläche bis zum Konnektor für den föderierten Datenaustausch
Evaluationsdimensionen — Datenschutz und Datensicherheit, Vertrauenswürdigkeit sowie Nutzen, Leistung und Bedienbarkeit
Kurz zum Kunden
Forschungsinstitut mit anwendungsnaher Ausrichtung, in diesem Vorhaben Auftraggeber und Integrator der Gesamtlösung eines geförderten Datenökosystems. Für einen Auftragnehmer ist das eine eigene Art von Kunde: Der fachliche Anspruch ist hoch, die Anforderungen entstehen zum Teil erst während der Arbeit, und der eigene Beitrag muss sich in ein System einfügen, das mehrere Konsortialpartner gleichzeitig entwickeln.
Unsere Lösung
Ein Katalog ist nur so nützlich, wie er von Systemen gelesen werden kann, die niemand aus dem Projekt entwickelt hat.
Die Aufgabe
Ein Datenraum für intelligentes Wohnen entsteht. Gemeint ist ein Ökosystem, in dem Menschen Daten aus ihren Haushalten freiwillig und selbstbestimmt zur Verfügung stellen und Unternehmen daraus KI-Anwendungen entwickeln können, ohne dass die Daten bei einzelnen großen Anbietern liegen bleiben. Vier Kernkomponenten sollen das leisten: eine Verwaltung der , eine Prüfung der Datenqualität, eine Auswertung mit Transparenz über die tatsächliche Nutzung — und ein Datenkatalog. Dessen Aufgabe klingt schlicht und ist die Voraussetzung für alles andere: Ein Datensatz, der nicht beschrieben ist, existiert für den Datenraum nicht. Ein Unternehmen, das Sensordaten aus Wohnungen sucht, muss wissen können, was es gibt, wie es strukturiert ist, unter welchen Bedingungen es zu nutzen ist und ob es zu dem passt, was es vorhat. Der Auftrag umfasste Konzeption, Implementierung und wissenschaftliche Evaluation dieses Katalogs — und die Anschlussfähigkeit an drei parallel entstehende Komponenten anderer Teams sowie an die Standards eines europäischen Datenraums.
Unser Ansatz
Standards statt Eigenerfindung, und das war die Hauptentscheidung. Das Datenmodell folgt dem Standardvokabular des W3C für Datenkataloge, die erfüllt die Katalogklasse des europäischen Vertrauensrahmens, der Datenaustausch läuft über einen Konnektor auf Grundlage eines offenen Standards. Ein eigenes Modell wäre schneller gewesen und hätte den Zweck verfehlt: Ein Katalog ist nur so nützlich, wie er von Systemen gelesen werden kann, die niemand aus dem Projekt entwickelt hat. Semantische Anschlussfähigkeit ist bei einem Datenraum nicht eine Eigenschaft, sondern der Gegenstand.
Erweiterbarkeit im Modell, damit das Schema die Zeit übersteht. Neben der Kernentität für den Datensatz gibt es ein flexibles Eigenschaftsmodell, über das sich zusätzliche Metainformationen aufnehmen lassen, ohne die Struktur zu ändern. Der Grund war absehbar und trat ein: Die Anforderungen des Vertrauensrahmens an das Katalogobjekt wurden während der Laufzeit konkretisiert. Ein starres Schema hätte an dieser Stelle eine Migration erzwungen; das erweiterbare hat die Änderung aufgenommen.
Sechs getrennte Bausteine, weil getrennt gehören. Fachlogik, Metadatenbank, Verwaltungsoberfläche, Identitäts- und Berechtigungsdienst mit eigener Datenbank und der Konnektor für den Datenaustausch laufen jeweils eigenständig, in getrennten Netzen. Bei einem System, dessen Kern die Vertrauenswürdigkeit ist, ist das keine Architekturmode: Die Berechtigungsprüfung liegt in einem eigenen Dienst mit eigener Datenhaltung, und die Zugriffsentscheidung ist damit nicht Bestandteil der Anwendung, die sie umgehen könnte.
Rechte am einzelnen Datensatz, nicht nur am System. Fünf Rollen nach dem Grundsatz der geringsten Rechte, und zusätzlich eine Besitzprüfung: Wer einen Datensatz ändern oder entfernen will, muss nicht nur die passende Rolle haben, sondern auch der Bereitsteller dieses Datensatzes sein. In einem Datenraum, in dessen Zentrum die Selbstbestimmung über eigene Daten steht, ist das der Unterschied zwischen einem Versprechen und einer Eigenschaft des Systems.
Zwei Wege wurden verworfen, und das steht auch so im Bericht. Für den Metadatenaustausch war zunächst ein Streaming-Verfahren vorgesehen; es wurde verworfen, weil eine anfragebasierte Kommunikation für Metadaten in dieser Größenordnung ausreicht und die Architektur einfacher hält. Auch der ursprünglich vorgeschlagene Technologie-Stack wurde in der Konzeptionsphase zugunsten leichterer Bausteine geändert, mit Vorteilen bei Leistung, Entwicklungsgeschwindigkeit und Barrierefreiheit. Solche Korrekturen offen zu dokumentieren, ist Teil der Arbeit — ein Abschlussbericht, in dem alles nach Plan lief, ist kein guter Abschlussbericht.
Nebenergebnisse, die über das Vorhaben hinausreichen. Neben dem System entstanden ein Architekturmuster für standardkonforme Datenkataloge, ein erweiterbares Datenbankschema, das sich auf andere Domänen übertragen lässt, und ein Evaluationsrahmen für Datenkataloge entlang der drei genannten Dimensionen. Bei einem Entwicklungsauftrag mit Forschungsanteil ist das der eigentliche Zinssatz: Das System nützt einem Ökosystem, das Muster nützt jedem weiteren.
Das Ergebnis
Ein lauffähiges Katalogsystem, modular aufgebaut aus sechs eigenständig betriebenen Bausteinen.
Dazu gehören der Katalogdienst mit der eigentlichen Fachlogik, eine Datenbank für die Metadaten samt Versionierung, eine webbasierte Verwaltungsoberfläche für Datenbereitsteller und Administratoren, ein Identitäts- und Berechtigungsdienst samt eigener Datenbank sowie ein Konnektor für den föderierten Datenaustausch im Ökosystem. Das zentrale Datenmodell folgt dem Standardvokabular des W3C für Datenkataloge in seiner dritten Fassung, erweitert um ein flexibles Eigenschaftsmodell, mit dem sich zusätzliche Metainformationen aufnehmen lassen, ohne das Schema zu brechen; Selbstbezüge im Modell bilden Versionsketten zwischen Datensätzen ab.
Der Zugriff ist rollenbasiert nach dem Grundsatz der geringsten Rechte, mit fünf Rollen und einer Besitzprüfung je Datensatz. Das System stellt eine maschinenlesbare bereit und erfüllt damit die Katalogklasse des europäischen Vertrauensrahmens. Die Architektur ist vollständig nach einem etablierten Dokumentationsrahmen beschrieben, von Zielen und Randbedingungen über Bausteinsicht, Laufzeit- und Verteilungssicht bis zu den Querschnittskonzepten.
Dazu die wissenschaftliche Evaluation in drei Dimensionen — Datenschutz und Datensicherheit, Vertrauenswürdigkeit sowie Nutzen, Leistung und Bedienbarkeit — mit technischen Messwerten und qualitativen Erhebungen. Übergeben worden sind acht Artefakte, von den Quellcodes über Betriebs- und Berechtigungskonfigurationen bis zu Datenbankschema, Dokumentation und Testdatensätzen für die Integration. Alle vier Meilensteine sind termingerecht erreicht worden, das Budget eingehalten, die Integration in die Zielinfrastruktur des Auftraggebers abgeschlossen.
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