Das Management einer Genossenschaft an KI heranführen und Business Cases ableiten
Die Aufgabe
Vier Geschäftsfelder, einunddreißig Standorte, ein Thema. Und die Frage, wie schnell man dabei sein darf, ohne sich zu übernehmen.
ist die Umsetzungsempfehlung: erst Governance und Schulung, dann ein Leuchtturm neben der Datenqualität, dann die schrittweise Ausrollung
Anwendungsfälle über sämtliche Geschäftsfelder erhoben — von der Agrardisposition über die Buchhaltung bis in Vertrieb und Marketing
lautet der zentrale Befund: Viele Anwendungsfälle scheitern nicht am Modell, sondern an Daten, die nicht zusammenpassen
Kurz zum Kunden
Ein organisiertes Handels- und Dienstleistungsunternehmen mit über Jahren Geschichte, einunddreißig Standorten und rund Mitarbeitenden. Die Geschäftsfelder reichen vom Agrarhandel über die Energieversorgung und den Baustoffhandel bis zu Märkten für Haus, Garten und Tierbedarf. Vier Geschäfte, eine Verwaltung, ein Warenwirtschaftssystem — und dazwischen die Prozesse, um die es hier geht.
Unsere Lösung
Der wichtigste Satz des Tages war nicht, was KI kann. Es war, was vorher stimmen muss.
Die Aufgabe
Ein organisiertes Handels- und Dienstleistungsunternehmen will sich dem Thema Künstliche Intelligenz methodisch nähern. Es vereint Agrarhandel, Energieversorgung, Baustoffhandel und Einzelhandelsmärkte. Die Formulierung des Auftrags ist bemerkenswert genau: Das Management soll befähigt werden, den Umgang mit KI richtig einzuschätzen und sie mit Augenmaß und der für das Unternehmen angepassten Geschwindigkeit in die Geschäftsprozesse zu integrieren. Nicht schnell, nicht umfassend — angemessen. Das ist die schwierigere Aufgabe, weil sie eine ehrliche Einschätzung verlangt, wo das Unternehmen steht, und nicht nur eine Liste dessen, was möglich wäre. Dazu kommt die Besonderheit dieses Hauses: Vier sehr verschiedene Geschäftsfelder an einunddreißig Standorten haben wenig gemeinsam außer der Verwaltung — und genau dort, in den durchgehenden Prozessen, liegt der Hebel.
Unser Ansatz
Das Management bewertet selbst, wir liefern die Struktur. Die Anwendungsfälle sind in moderierten Kleingruppen von den Führungskräften selbst erarbeitet und anschließend von ihnen selbst nach Dringlichkeit und Umsetzbarkeit bewertet worden. Eine externe Rangfolge hätte in derselben Zeit vorgelegen und wäre im Alltag nicht verteidigt worden. Wer die Reihenfolge selbst bestimmt hat, erklärt sie im eigenen Haus.
Der zentrale Befund war kein Anwendungsfall, sondern die Datenlage. Auffällig viele der erhobenen Fälle deuteten auf dasselbe hin: Daten, die zwischen Warenwirtschaft, Kundenverwaltung und weiteren Systemen nicht zusammenpassen, Preise, die nicht überall gepflegt sind, Auswertungen, die über Nacht aus einer Datenbank geladen werden müssen. Solange das so ist, begrenzt nicht das Modell den Nutzen, sondern die Eingabe. Diesen Satz auszusprechen kostet einen Berater den bequemen Abschluss und ist der eigentliche Wert des Tages.
Die Empfehlung beginnt mit Governance, nicht mit einem Piloten. Der übliche Rat lautet, klein anzufangen und ein Leuchtturmprojekt zu starten. Hier steht die Governance samt Schulung an erster Stelle, das Leuchtturmprojekt an zweiter — und ausdrücklich parallel zu Maßnahmen an der Datenqualität. Der Grund ist nüchtern: In einem Haus mit einunddreißig Standorten entscheidet nicht die Technik über die Ausbreitung, sondern die Frage, wer entscheiden darf und wer geschult ist.
Als Leuchtturm empfohlen wurde der unspektakulärste Fall. Nicht der mit dem größten Potenzial, sondern der, der auf der vorhandenen Systeminfrastruktur aufsetzt, schnell umsetzbar ist und sofort messbare Ergebnisse liefert: die automatische Erkennung von Fehlbuchungen in der Buchhaltung. Ein erstes Vorhaben hat eine einzige Aufgabe — Vertrauen zu erzeugen. Alles andere kommt danach.
Die Anwendungsfälle hängen zusammen, und das steht auch so drin. Die automatische Rechnungsprüfung profitiert unmittelbar von gepflegten Einkaufspreisen; das sprachgesteuerte Berichtswesen profitiert von allen anderen als Datenquelle. Solche Abhängigkeiten sichtbar zu machen ist der Unterschied zwischen einer Liste und einer Reihenfolge — und sie sind der Grund, warum ein gemeinsamer Zuschnitt hier wirtschaftlicher ist als vierzehn Einzelentscheidungen.
Das Ergebnis
Ein interner KI-Tag mit dem Management und ein Ergebnisdokument.
Am Vormittag die Einordnung: was KI im Unternehmenskontext realistisch leistet, wo ihre Grenzen liegen und welche Rahmenbedingungen eine Einführung braucht. Danach die Erhebung in moderierten Kleingruppen entlang unserer Use-Case-Canvas, die jeden Fall in drei Feldern festhält: den Ausgangspunkt aus Problem, Technologie oder Datenbasis, den konkreten Lösungsansatz und das angestrebte messbare Ergebnis. Vierzehn Anwendungsfälle sind so entstanden, über sämtliche Bereiche verteilt — von der Priorisierung von Agrar-Serviceaufträgen über Tourenplanung, Einkaufspreispflege und Fehlbuchungserkennung bis zu , Telefonbestellung und Vertriebssteuerung.
Die Teilnehmenden haben selbst bewertet, was dringlich und realistisch ist; vier Fälle sind daraus zu vollständigen Business Cases ausgearbeitet worden, jeder mit Problem, Zielsetzung, Ist-Zustand, Nutzen, Lösungsansätzen, betroffenen Prozessen, Zeithorizont, erwartetem Ertrag und benötigten Ressourcen. Am Ende eine dreiphasige Umsetzungsempfehlung — und ein Befund, der wichtiger ist als jeder einzelne Anwendungsfall.
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