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Strategion GmbH

Aus Sensordaten ein Geschäfts­modell entwickeln

Die Aufgabe

Das Gerät ist fast fertig entwickelt, bevor jemand den Markt gefragt hat, wofür er eigentlich zahlen würde.

Kunde
Hersteller von Motorsensorik
Branche
Maschinen- und Anlagenbau
Dauer
knapp vier Jahre, laufend
Aus Sensordaten ein Geschäftsmodell entwickeln
vier Jahre

begleiten wir den Weg vom Sensor­hersteller zum Anbieter eines digitalen Dienstes, ununterbrochen seit dem Auftaktworkshop

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Zielmärkte mit je eigenem Teilgeschäfts­modell, zusammengeführt zu einem Gesamtmodell

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Dimensionen, in denen jeder Anwendungs­fall bewertet wurde, darunter der Reifegrad des Hauses

Kurz zum Kunden

Mittelständischer Hersteller von Sensorik für Großmotoren, seit über sechzig Jahren am Markt, gut neunzig Beschäftigte an mehreren Standorten in Europa und Asien. Die Geräte des Hauses überwachen Schiffs- und Kraftwerks­motoren auf Zustände, die einem Schaden vorausgehen: Schwingung, Lagertemperatur, Gaskonzentration, Luftzustand im Kurbelgehäuse. Wo ein Motorschaden Menschen gefährdet, sind sie vorgeschrieben. Verkauft wird über Werften, Motorenbauer und Klassifikations­gesellschaften. Die installierte Basis liegt in der Größenordnung von zwanzigtausend Schiffen — und damit liegt dort auch eine Datenmenge, die bisher niemand gehoben hat.

Unsere Lösung

Ein technisch fertiges Produkt ist noch kein Geschäft. Die Frage, wofür jemand zahlt, beantwortet keine Entwicklungs­abteilung.

Die Aufgabe

Das Haus entwickelt Sensoren und verkauft sie. Ein neues Gerät soll diese Sensoren zusammenführen, ihre Daten auswerten und daraus einen Dienst machen — der Schritt vom Produkt­anbieter zum Lösungs­anbieter, so steht es in der eigenen Vision. Entwickelt wird das Gerät seit Jahren, und es wird gut. Nur ist die Entwicklung, wie unser eigenes Angebot es festhält, zumeist aus internen Prozessen und aus der Markt­einschätzung der Mitarbeitenden entstanden; kunden­zentrierte digitale Geschäfts­modelle stehen dabei weniger im Fokus. Damit entsteht ein Risiko, das im Maschinenbau häufig ist und selten ausgesprochen wird: am Bedarf vorbei zu entwickeln und mögliche neue Märkte gar nicht erst zu sehen. Die Geschäfts­führung hat das selbst benannt und externe Unterstützung geholt, bevor die Nullserie steht — nicht danach. Unsere Aufgabe ist deshalb nicht, ein Produkt zu erfinden, sondern ihm ein Geschäfts­modell zu geben, das der Markt bestätigt.

Unser Ansatz

Drei Märkte, drei Geschäfts­modelle, nicht eines. Dieselben Sensoren passen in Schiffe, in Kraftwerke und in Windkraft­anlagen, und genau das verführt dazu, ein Modell für alle zu entwickeln. Es hätte nicht funktioniert. Im maritimen Bereich ist die Überwachung rechtlich vorgeschrieben und entsprechend viel ist verbaut; im Kraftwerks­bereich gibt es diese Pflicht nicht, dort zählt die vermiedene Stillstandszeit. Wer beide mit demselben Nutzenversprechen anspricht, trifft keinen von beiden. Deshalb wurde für jeden Zielmarkt ein eigenes Teilgeschäfts­modell entwickelt und erst danach zu einem Gesamtmodell zusammengeführt, aus dem sich die Strategie ableiten lässt — mit klarer Priorität für den Kernmarkt.

Business Case first. Anwendungs­fälle wurden nicht danach ausgewählt, was technisch reizvoll ist, sondern in zwei Dimensionen bewertet: Geschäftswert und Umsetzbarkeit. Jeder Fall wurde zusätzlich in fünf Dimensionen eingeschätzt — Relevanz, Dringlichkeit, Umsetzbarkeit, wirtschaftliches Potenzial und Reifegrad des Hauses. Der Reifegrad ist dabei die Dimension, die am häufigsten fehlt und am meisten Projekte kostet: Ein Vorhaben, das ein Unternehmen fachlich überzeugt und organisatorisch überfordert, scheitert trotzdem.

Das eigene Portfolio wurde nüchtern eingeordnet, auch wo es unangenehm war. Die Einordnung zeigte ein tragendes Geschäft, das Geld verdient, aber nicht mehr wächst, ein Gerät ohne eigenständige Perspektive und mehrere Fragezeichen, die man einzeln entscheiden muss. Daraus folgte kein Sparprogramm, sondern eine Reihenfolge: Das Kerngeschäft behaupten, während der digitale Dienst in ausgewählten Pilotkunden reift, und das Kerngeschäft nicht durch den eigenen Nachfolger untergraben. Solche Sätze schreibt eine Entwicklungs­abteilung nicht auf; sie gehören in die Geschäfts­führung.

Der Markt wurde gefragt, bevor entwickelt wurde. Für die Validierung entstand ein Erhebungs­instrument für Reedereien und Betreiber, das nicht nur nach Interesse fragt, sondern nach der Datenlage an Bord, der Vernetzung zwischen Schiff und Zentrale, dem KI-Verständnis der Belegschaft, vorhandenen Budgets und der konkreten Zahlungs­bereitschaft für datenbasierte Dienste, einschließlich der Bereitschaft zu nutzungs­abhängigen Modellen. Die Zahlungs­bereitschaft ist die einzige Frage, deren Antwort über ein Geschäfts­modell entscheidet, und sie kommt in Innovations­projekten am spätesten zur Sprache.

Ein Lenkungskreis, der auch die eigene Arbeitsweise auf den Prüfstand stellt. Nach der Konzeptphase wurde nicht nur der Inhalt bilanziert, sondern der Modus: Workshops in großen Abständen erzeugen zwischen den Terminen Stillstand, ein Zielbild muss sichtbar hängen und nicht in Protokollen stehen, und der Kundenkontakt muss enger werden. Die Konsequenz war ein Wechsel auf kurze, getaktete Umsetzungs­zyklen. Dass ein Beratungs­projekt seine eigene Verzögerung protokolliert und daraus eine Änderung ableitet, ist der Unterschied zwischen Begleitung und Berichterstattung.

Das Ergebnis

Ein Gesamtgeschäfts­modell, das aus drei Teilmodellen zusammengesetzt ist, und ein bewerteter Vorrat an Anwendungs­fällen, aus dem sich die Reihenfolge der Umsetzung ableiten lässt.

Am Anfang steht ein Auftaktworkshop, in dem drei Zielmärkte für den digitalen Dienst herausgearbeitet worden sind — der maritime Kernmarkt, Kraftwerke sowie Industrie und Windkraft — und in dem sichtbar geworden ist, dass die Kaufmotive dieser Märkte gerade nicht dieselben sind: im maritimen Bereich gibt es eine rechtliche Pflicht, im Kraftwerks­bereich geht es um vermiedene Ausfallzeit. Für den Kernmarkt sind Vision und Auftrag ausformuliert und ein Geschäfts­modell auf der Business Model Canvas entwickelt worden, die Kunden­segmente in Wertangebot und Personas aufgeschlüsselt und durch Interviews validiert.

Parallel ist das bestehende Portfolio eingeordnet worden, mit dem unbequemen, aber nützlichen Ergebnis, dass das tragende Geschäft eine Melkkuh ist und die neuen Geräte Fragezeichen sind, die man einzeln entscheiden muss statt gemeinsam zu fördern. Daraus sind Anwendungs­fälle abgeleitet und in fünf Dimensionen bewertet worden — Relevanz, Dringlichkeit, Umsetzbarkeit, wirtschaftliches Potenzial und Reifegrad des Hauses — und in einer Matrix aus Geschäftswert und Umsetzbarkeit priorisiert.

Für die Markt­validierung ist ein Fragebogen für Reedereien und Betreiber entstanden, der Datenlage, KI-Reife, gewünschte Dienste und Zahlungs­bereitschaft in einem Instrument erfasst; die Befragung ist durchgeführt worden. Ein Lenkungskreis hat die Ergebnisse zusammengeführt und die Arbeitsweise für die Umsetzung umgestellt.

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