Aus Sensordaten ein Geschäftsmodell entwickeln
Die Aufgabe
Das Gerät ist fast fertig entwickelt, bevor jemand den Markt gefragt hat, wofür er eigentlich zahlen würde.
begleiten wir den Weg vom Sensorhersteller zum Anbieter eines digitalen Dienstes, ununterbrochen seit dem Auftaktworkshop
Zielmärkte mit je eigenem Teilgeschäftsmodell, zusammengeführt zu einem Gesamtmodell
Dimensionen, in denen jeder Anwendungsfall bewertet wurde, darunter der Reifegrad des Hauses
Kurz zum Kunden
Mittelständischer Hersteller von Sensorik für Großmotoren, seit über sechzig Jahren am Markt, gut neunzig Beschäftigte an mehreren Standorten in Europa und Asien. Die Geräte des Hauses überwachen Schiffs- und Kraftwerksmotoren auf Zustände, die einem Schaden vorausgehen: Schwingung, Lagertemperatur, Gaskonzentration, Luftzustand im Kurbelgehäuse. Wo ein Motorschaden Menschen gefährdet, sind sie vorgeschrieben. Verkauft wird über Werften, Motorenbauer und Klassifikationsgesellschaften. Die installierte Basis liegt in der Größenordnung von zwanzigtausend Schiffen — und damit liegt dort auch eine Datenmenge, die bisher niemand gehoben hat.
Unsere Lösung
Ein technisch fertiges Produkt ist noch kein Geschäft. Die Frage, wofür jemand zahlt, beantwortet keine Entwicklungsabteilung.
Die Aufgabe
Das Haus entwickelt Sensoren und verkauft sie. Ein neues Gerät soll diese Sensoren zusammenführen, ihre Daten auswerten und daraus einen Dienst machen — der Schritt vom Produktanbieter zum Lösungsanbieter, so steht es in der eigenen Vision. Entwickelt wird das Gerät seit Jahren, und es wird gut. Nur ist die Entwicklung, wie unser eigenes Angebot es festhält, zumeist aus internen Prozessen und aus der Markteinschätzung der Mitarbeitenden entstanden; kundenzentrierte digitale Geschäftsmodelle stehen dabei weniger im Fokus. Damit entsteht ein Risiko, das im Maschinenbau häufig ist und selten ausgesprochen wird: am Bedarf vorbei zu entwickeln und mögliche neue Märkte gar nicht erst zu sehen. Die Geschäftsführung hat das selbst benannt und externe Unterstützung geholt, bevor die Nullserie steht — nicht danach. Unsere Aufgabe ist deshalb nicht, ein Produkt zu erfinden, sondern ihm ein Geschäftsmodell zu geben, das der Markt bestätigt.
Unser Ansatz
Drei Märkte, drei Geschäftsmodelle, nicht eines. Dieselben Sensoren passen in Schiffe, in Kraftwerke und in Windkraftanlagen, und genau das verführt dazu, ein Modell für alle zu entwickeln. Es hätte nicht funktioniert. Im maritimen Bereich ist die Überwachung rechtlich vorgeschrieben und entsprechend viel ist verbaut; im Kraftwerksbereich gibt es diese Pflicht nicht, dort zählt die vermiedene Stillstandszeit. Wer beide mit demselben Nutzenversprechen anspricht, trifft keinen von beiden. Deshalb wurde für jeden Zielmarkt ein eigenes Teilgeschäftsmodell entwickelt und erst danach zu einem Gesamtmodell zusammengeführt, aus dem sich die Strategie ableiten lässt — mit klarer Priorität für den Kernmarkt.
Business Case first. Anwendungsfälle wurden nicht danach ausgewählt, was technisch reizvoll ist, sondern in zwei Dimensionen bewertet: Geschäftswert und Umsetzbarkeit. Jeder Fall wurde zusätzlich in fünf Dimensionen eingeschätzt — Relevanz, Dringlichkeit, Umsetzbarkeit, wirtschaftliches Potenzial und Reifegrad des Hauses. Der Reifegrad ist dabei die Dimension, die am häufigsten fehlt und am meisten Projekte kostet: Ein Vorhaben, das ein Unternehmen fachlich überzeugt und organisatorisch überfordert, scheitert trotzdem.
Das eigene Portfolio wurde nüchtern eingeordnet, auch wo es unangenehm war. Die Einordnung zeigte ein tragendes Geschäft, das Geld verdient, aber nicht mehr wächst, ein Gerät ohne eigenständige Perspektive und mehrere Fragezeichen, die man einzeln entscheiden muss. Daraus folgte kein Sparprogramm, sondern eine Reihenfolge: Das Kerngeschäft behaupten, während der digitale Dienst in ausgewählten Pilotkunden reift, und das Kerngeschäft nicht durch den eigenen Nachfolger untergraben. Solche Sätze schreibt eine Entwicklungsabteilung nicht auf; sie gehören in die Geschäftsführung.
Der Markt wurde gefragt, bevor entwickelt wurde. Für die Validierung entstand ein Erhebungsinstrument für Reedereien und Betreiber, das nicht nur nach Interesse fragt, sondern nach der Datenlage an Bord, der Vernetzung zwischen Schiff und Zentrale, dem KI-Verständnis der Belegschaft, vorhandenen Budgets und der konkreten Zahlungsbereitschaft für datenbasierte Dienste, einschließlich der Bereitschaft zu nutzungsabhängigen Modellen. Die Zahlungsbereitschaft ist die einzige Frage, deren Antwort über ein Geschäftsmodell entscheidet, und sie kommt in Innovationsprojekten am spätesten zur Sprache.
Ein Lenkungskreis, der auch die eigene Arbeitsweise auf den Prüfstand stellt. Nach der Konzeptphase wurde nicht nur der Inhalt bilanziert, sondern der Modus: Workshops in großen Abständen erzeugen zwischen den Terminen Stillstand, ein Zielbild muss sichtbar hängen und nicht in Protokollen stehen, und der Kundenkontakt muss enger werden. Die Konsequenz war ein Wechsel auf kurze, getaktete Umsetzungszyklen. Dass ein Beratungsprojekt seine eigene Verzögerung protokolliert und daraus eine Änderung ableitet, ist der Unterschied zwischen Begleitung und Berichterstattung.
Das Ergebnis
Ein Gesamtgeschäftsmodell, das aus drei Teilmodellen zusammengesetzt ist, und ein bewerteter Vorrat an Anwendungsfällen, aus dem sich die Reihenfolge der Umsetzung ableiten lässt.
Am Anfang steht ein Auftaktworkshop, in dem drei Zielmärkte für den digitalen Dienst herausgearbeitet worden sind — der maritime Kernmarkt, Kraftwerke sowie Industrie und Windkraft — und in dem sichtbar geworden ist, dass die Kaufmotive dieser Märkte gerade nicht dieselben sind: im maritimen Bereich gibt es eine rechtliche Pflicht, im Kraftwerksbereich geht es um vermiedene Ausfallzeit. Für den Kernmarkt sind Vision und Auftrag ausformuliert und ein Geschäftsmodell auf der Business Model Canvas entwickelt worden, die Kundensegmente in Wertangebot und Personas aufgeschlüsselt und durch Interviews validiert.
Parallel ist das bestehende Portfolio eingeordnet worden, mit dem unbequemen, aber nützlichen Ergebnis, dass das tragende Geschäft eine Melkkuh ist und die neuen Geräte Fragezeichen sind, die man einzeln entscheiden muss statt gemeinsam zu fördern. Daraus sind Anwendungsfälle abgeleitet und in fünf Dimensionen bewertet worden — Relevanz, Dringlichkeit, Umsetzbarkeit, wirtschaftliches Potenzial und Reifegrad des Hauses — und in einer Matrix aus Geschäftswert und Umsetzbarkeit priorisiert.
Für die Marktvalidierung ist ein Fragebogen für Reedereien und Betreiber entstanden, der Datenlage, KI-Reife, gewünschte Dienste und Zahlungsbereitschaft in einem Instrument erfasst; die Befragung ist durchgeführt worden. Ein Lenkungskreis hat die Ergebnisse zusammengeführt und die Arbeitsweise für die Umsetzung umgestellt.
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