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Strategion GmbH

Agenten­orientierte Architektur: Warum sie jetzt entsteht und ohne Big Bang auskommt

Unternehmens­architekturen ordnen sich neu, nicht um einzelne Werkzeuge herum, sondern um Agenten, die auf vorhandene Systeme zugreifen. Was diese Architektur ausmacht, warum sie gerade jetzt entsteht und weshalb sie sich schrittweise einführen lässt.

In vielen Unternehmen steht inzwischen ein gutes Dutzend KI-Werkzeuge nebeneinander. Jedes löst seine Aufgabe, jedes hat seinen eigenen Zugang zu den Daten, und keines weiß vom anderen. Das ist kein Versäumnis, sondern das erwartbare Ergebnis einer Einführung, die beim Werkzeug beginnt. Wer dagegen bei der Architektur beginnt, bekommt eine Ordnung, in der neue Anwendungs­fälle günstiger werden, statt teurer.

Die Architektur entscheidet darüber, was ein Unternehmen mit KI anfangen kann, nicht die Wahl des jeweils besten Einzel­werkzeugs.

Was eine agenten­orientierte Architektur ausmacht

Wer bei einzelnen Werkzeugen beginnt, sammelt Lösungen, die sich nicht addieren. Jede bringt ihren eigenen Zugang zu den Daten mit, ihre eigene Rechte­verwaltung und ihre eigene Oberfläche. Wer bei der Architektur beginnt, legt diese drei Dinge einmal fest und lässt die Anwendungen darauf entstehen.

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Das Zielbild einer KI-Agentenplattform: Interaktion, Agenten, Produkte, Standardsoftware, Integration und externe Daten über einem gemeinsamen Sockel.

Von links gelesen: Die Interaktion ist das, was die Anwender sehen — Sprache, Chat, Anruf, Post, Besprechung —, gebündelt zu vier Bereichen: Strategie, Betrieb, Kompetenzen, Nachhaltigkeit. Daneben die Agenten, je Aufgabe einer, vom Kennzahlenauswerter bis zum Zusammenfasser. Dann die eigenen Produkte mit ihren Abläufen von der Konstruktion bis zum Service, daneben die Standard­software — CRM, PLM, Personal, ERP.

Rechts davon liegt die Integration, die Stelle, an der die Architektur zusammenkommt. Dort steht MCP für die Kommunikation der Agenten, dazu registrierte Funktionen, Verbindungen zu Systemen, Ablauf­steuerung und abgesicherte Ausführung. Ganz rechts die externen Daten (Nachrichten, Regulierung, Arbeitsmarkt, Umwelt).

Und unter allem der Sockel: die Wahl des Modells, der Wissensabruf, das Daten­fundament, Sicherheit und Regelwerk. Er trägt jeden Anwendungs­fall, und er wird einmal eingerichtet.

Angebunden wird dabei, was ohnehin da ist. Ein System, das sich abschottet, bleibt draußen. Das ist heute weniger ein technisches Problem als eine Entscheidung des jeweiligen Anbieters, und der Markt bewegt sich sichtbar in Richtung Offenheit.

Warum diese Architektur gerade jetzt entsteht

Die Idee, Anwendungen über eine gemeinsame Schicht auf vorhandene Systeme zu setzen, ist nicht neu. Neu ist, dass es dafür einen Standard gibt, den große Anbieter aufgenommen haben.

Das Model Context Protocol ist die Kern­technologie dieser Architektur. Es beschreibt, wie eine KI-Anwendung auf Daten und Funktionen zugreift, ohne dass für jede Kombination aus Anwendung und Quelle eine eigene Verbindung entwickelt werden muss. Entstanden bei einem Modell­anbieter, wurde es Ende 2025 an die Linux Foundation übergeben und liegt heute in einer herstellerneutralen Stiftung, der auch die großen Anbieter von Unternehmens­software angehören. SAP, Salesforce, Microsoft, Oracle, ServiceNow und Workday haben das Protokoll in ihre Plattformen aufgenommen, durchweg unter ihrem eigenen Berechtigungs- und Prüfmodell.

Damit ist die Frage, ob man auf einen Standard warten sollte, praktisch beantwortet.

Was sie möglich macht, und was nicht

Die Daten werden während der Anfrage zusammengeführt. Wer eine Frage stellt, löst keinen Bericht aus, der über Nacht gerechnet wurde, sondern einen Zugriff, der im Moment der Frage geschieht. Das ist eine andere Logik als die vertraute Kette aus Daten­übernahme, Sammelspeicher und feststehendem Auswertungs­würfel. Sie erlaubt Fragen, die vorher an der Vorarbeit gescheitert sind.

Eigene Agenten lassen sich entwickeln. Weil die Zugriffsschicht steht, ist ein neuer Anwendungs­fall keine neue Integration mehr. Er ist ein weiterer Agent auf derselben Grundlage. Genau hier entsteht der wirtschaftliche Unterschied. Der erste Fall trägt die Architektur zu einem Teil; weitere Anwendungs­fälle können auf derselben Grundlage günstiger werden.

Was die Architektur nicht leistet, gehört ebenso dazu. Ein Protokoll standardisiert den Zugriff, nicht die Bedeutung. Was eine Kennzahl im eigenen Haus genau meint, welche Tabellen fachlich zusammengehören, welche Werte historisiert werden müssen — das steht in keinem Protokoll und muss weiterhin modelliert werden. Wer das übergeht, bekommt schnelle Antworten auf unklare Fragen. Und auch die Sicherheit bleibt Aufgabe der Umsetzung: Das Protokoll schreibt Autorisierung nicht zwingend vor, sie muss eingerichtet werden.

Der Unterschied lässt sich an einer gewöhnlichen Geschäfts­führungs­frage zeigen. Wer wissen will, welche Kunden im laufenden Monat auffällig weniger bestellen und ob dazu offene Reklamationen vorliegen, braucht Zahlen aus zwei Systemen, die im Berichtswesen getrennt geführt werden. Bisher war das ein Auswertungs­auftrag mit Vorlaufzeit. Über eine gemeinsame Zugriffsschicht ist es eine Frage, die beide Quellen im selben Moment liest. Der Gewinn liegt nicht in der Geschwindigkeit allein, sondern darin, dass die Frage überhaupt gestellt wird. Fragen mit Vorlaufzeit werden selten gestellt.

Warum sie ohne Big Bang auskommt

Das ist der praktisch wichtigste Punkt, und er unterscheidet diese Architektur von den Plattform­vorhaben vergangener Jahre.

Jede Schicht lässt sich einzeln einführen. Man kann mit einem einzigen Anwendungs­fall beginnen, die Zugriffsschicht nur für die eine Quelle einrichten, die er braucht, und den Rest später ergänzen. Es gibt keinen Zeitpunkt, zu dem alles fertig sein muss, bevor irgendetwas nutzbar wird. Das senkt nicht nur das Risiko, es verändert auch die Investitions­entscheidung, weil der Nutzen nicht am Ende eines mehrjährigen Programms steht, sondern nach dem ersten Schritt.

Einordnung

Wer heute über eine Unternehmens­architektur spricht, spricht über diese Schichtung. Sie ist kein Zukunftsbild, sondern der Aufbau, den die verfügbaren Bausteine nahelegen: offene Zugriffsprotokolle, austauschbare Modelle, Agenten als Arbeits­einheit.

Die Konsequenz für die Verantwortung im Unternehmen ist die eigentliche Nachricht. Eine Architektur dieser Art lässt sich nicht in der IT-Abteilung entscheiden und auch nicht in einem Fachbereich. Die Interaktions­schicht gehört den Fachbereichen, weil sie deren Arbeit abbildet. Die Zugriffsschicht und der Sockel gehören der IT, weil dort Sicherheit und Berechtigungen hängen. Und die Reihenfolge, in der Anwendungs­fälle entstehen, ist eine unternehmerische Entscheidung, weil sie festlegt, wofür Geld ausgegeben wird. Wird eine der drei Seiten übergangen, entsteht wieder ein Dutzend Werkzeuge nebeneinander, wie am Anfang.

Der Aufwand liegt deshalb nicht dort, wo er vermutet wird. Die Technik ist verfügbar und weitgehend standardisiert. Was Zeit kostet, ist die gemeinsame Festlegung darauf, welche Fragen ein Unternehmen künftig beantworten können will und in welcher Reihenfolge.

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